Clara Wieck und Robert Schumann sollen sich hier ihren ersten Kuss gegeben haben. Kann schon sein. Auf jeden Fall haben sie sich 1840 in der nahe gelegenen Schönefelder Kirche trauen lassen. Wer heute mit der Straßenbahn nach Mockau oder Schönefeld fährt, ahnt nichts von der wilden Romantik hinter den grauen Steinfassaden. Das einstige Parthendorf hat eine dörfliche Idylle bewahrt, die sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden läßt.
Mitte des 19. Jahrhunderts entsprach die Anlage ganz dem romantischen Ideal der Zeit, das sich auch in der Musik Schumanns widerspiegelt. Der Park lässt in Teilen noch die Stimmung erahnen, die empfindsame Gemüter zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihren Bann zog. Vereinzelt finden sich noch originale Spuren aus der Zeit des bedeutenden Musikerpaares. Während ein eigenständiges Rittergut Abtnaundorf im 16. Jahrhundert entstand, geht die erste Kunde eines Parks erst auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Traugott Thomasius, Beisitzer des Konsistoriums und der juristischen Fakultät der Universität, war von 1752 bis 1755 Besitzer und soll eine Anlage geschaffen haben, die vermutlich noch in der formalen barocken Tradition stand. Nach der Übernahme der Besitzung 1789 veranlasste Christian Gottlob Frege eine Umgestaltung im landschaftlichen Stil. Im Jahr 1801 erschien 1801 das Buch „Der Maientag in dem englischen Garten zu Abtnaundorf“. Mit überschwänglichen Worten wird eine charakteristische Anlage der Zeit beschrieben. Bald schon erfolgte ein herber Rückschlag: Zwar konnte Christian Ferdinand Frege aufgrund seiner Beziehungen zu beiden Kriegsparteien in der Völkerschlacht 1813 bewirken, dass Dorf und Gutsgebäude unversehrt blieben; das Herrenhaus diente als Lazarett. Jedoch sollen die letzten Schäden in den Gartenanlagen erst 20 Jahre nach den damaligen Ereignissen behoben worden sein. 1833 gestaltete Gärtner Nienhagen den zentralen Bereich animiert von den Royal Kew Gardens bei London um, seit 1858 ist Rudolf Lauche Gutsgärtner. Der Schüler Peter Joseph Lennés erweitert die Anlagen, bezieht das Herrenhaus stärker ein und schafft unter anderen ein bedeutendes Rosarium. Richard Woldemar von Frege, nunmehr geadelt, lässt 1891 das alte Herrenhaus abreißen und durch den noch bestehenden Neorenaissance-Schlossbau nach Plänen des Architekten Peter Dybwad ersetzen. Bereits 1889 bis 1891 war nordöstlich am Ende einer neu angelegten Kastanienallee das Mausoleum der Familie Frege entstanden. Leider blieb das Anwesen dann auch von den Wirren des 20.Jahrhunderts nicht verschont. 1920 veräußern die Erben Freges Schloss und Park an den Sägewerksbesitzer Franz Schlobach: Der Großteil des wertvollen Altbaumbestandes verschwindet in seinem Betrieb, ersetzt durch schnellwachsende Schwarzpappeln. Der Unternehmer veräußert bereits 1922 Schloss und angrenzende Bereiche an den Berliner Textilindustriellen Otto Schulz. Nach dessen Konkurs folgen wechselnde öffentliche Nutzungen und negative Einschnitte wie die Begradigung der den Park berührenden Parthe im Jahr 1935 und der Abbruch des kriegsbeschädigten Mausoleums 1954. In der Zeit der DDR wird der Park erstmals zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Ein Spielplatz entsteht, die Pflege erfolgt nur zurückhaltend, sage ich mal. Der Kernbereich um das Schloss ist weiterhin durch eine Mauer abgegrenzt. Mit der Sanierung des Baus nach 1998 entstand hier eine Eigentumswohnanlage. Als herausragend erhaltenes Element im Park wirkt der Teich mit der sogenannten Liebesinsel und dem Monopteros. Der Rundtempel mit mittiger Plastik stammt aus der Zeit um 1820 und erinnert an Christian Gottlob (I.) Frege. Erhalten ist eine breite Sichtachse von der Parthenaue zum Schloss, die in dieser Form mit dem Neubau ab 1891 entstand. Die exklusive Wohnanlage ist heute wieder privat. Der wild-romantische Park gehört allen.










