Island – Fast & Slow

Gelegen zwischen Europa und Amerika zieht Island mit seiner atemberaubenden Natur jährlich tausende Besucher an, ohne dass diese sich groß in die Quere kommen. Menschen, die ihren Urlaub in der Sonne am Meer verbringen wollen, kommen schon mal gar nicht. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen um 15 °C im Juli – bei 213 Regentagen im Jahr. Dafür ist es in den Monaten Juni und Juli 24 Stunden lang taghell und die Winter sind ausgesprochen mild, so dass wettererprobte Reisende das ganze Jahr über am Flughafen bei Reykjavík landen. Der platzt an manchen Tagen aus allen Nähten. Die Nachfrage stieg an, seit Ronald Reagan und Michail Gorbatschow hier im Oktober 1986 Gespräche über die globale Abrüstung führten, damit das Ende des „kalten Krieges“ einleiteten und Reykjavík weltweit in die Medien brachten. Galt die isländische Metropole Ende der 1980-er Jahre noch als beschaulicher Ort, hat sie sich inzwischen zu einer dynamischen Stadt gemausert.

Die lebendige Architektur-, Musik- und Modeszene sorgt für Kontraste zu gewaltigen Natur des Inselstaates. Wer mag geht wandern bei Sonne, Nebel und Regen. Das Gewimmel in der Blauen Lagune kann man sich vielleicht sparen. Möglich sind aber auch Trekking- und Reittouren, Wildwasserfahrten und Nordlichtausflüge. Intensive Erlebnisse bieten die Naturschauspiele der Geysire, Vulkane und Wasserfälle. Insgesamt sprudeln etwa 700 der heißen Quellen an mehr als 250 Orten auf der Insel. Island bezieht etwa zwei Drittel seines Energiebedarfs auf diese Weise aus der Erde. Der größte Wasserspeicher steht in Reykajvík: Perlan. Das Gebäude sieht aus wie ein riesiges Ufo. Über den sechs Tanks mit 24 Millionen Liter Wasser dreht sich eine Glaskuppel mit Restaurant und Cafeteria. Die Aussichtsterrasse bietet einen weiten Blick über die Halbinsel Reykjanes.

Beeindruckend wirken zudem Europas größte Gletscher Vatnajökull und Islands längster Fluss, der Pjórsá. Reittouren auf den berühmten Islandpferden gehörten nicht zu meinem Programm. Dafür eine echt beschauliche Sagatour, die mittelalterliche Literatur mit der Naturgeschichte verbindet und zum Island Saga Center in dem kleinen Ort Hvolsvöllur führt. Die Ausstellung im Stadtmuseum Reykjavík vermittelt Interessantes über das Leben der Wikinger, die im Zeitalter der Besiedelung Islands (erste Funde gehen auf das Jahr 871 zurück) hier lebten. Zudem entstanden in den vergangenen Jahren teilweise spektakuläre neue Kirchen wie Hallgrimm’s Church in Reykjavík oder Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes. Ihre moderne Architektur sorgt für spannende Kontraste zur Landschaft ringsum. Eine Landschaft wie in der Antarktis bietet der Gletschersee Jölulsálón am Fuße des Vatnajökull.

Was bleibt? Malus: Das Chaos am Flughafen bei meiner Abreise. Bonus: Ich habe hier zum ersten Mal taghelle Sommernächte erlebt.

Geysir mit aufsteigender Wasserblase auf Island Geyser with water bubble on Iceland / Credit/Fotozeile: Barbara Volkmer