Peking: Allein durch die Verbotene Stadt

Anfrage im Juni 2016 aus Frankfurt: Wärst du bereit, für die tagungswirtschaft im September zur ITBM nach Peking zu reisen? Die Fachmesse soll den asiatischen Kongressmarkt erschließen sowie Kontakte zu internationalen Hotelgruppen, Messegesellschaften und Kongressagenturen auf- und ausbauen. Ich bin bereit, auch wenn es erstmal so aussieht, als scheiterten die Pläne an komplizierten Visabestimmungen und mehrfach ausgefüllten Anträgen, in denen das Wort „Presse“ trotz Presseeinladung der chinesischen Veranstalter nicht vorkommen durfte und durch „Marketing“ ersetzt werden musste. Kurz vorher halte ich dann doch Visa und Flugticket in den Händen. Also los, Abflug am späten Nachmittag ab TXT Berlin gen PEK Beijing.

Bevor die Maschine abhebt, streiten sich neben mir Chinesen mit dem Personal um irgendwas. Das Kuriose dabei: Sie filmen sich gegenseitig mit ihren Handys direkt ins Gesicht. Logieren darf ich im China World Hotel, Beijing, einem Luxushotel der Shangri-La-Kette. Es liegt in einem hypermodernen Geschäftsviertel der Hauptstadt, das für die Olympiade im Sommer 2008 aus dem Boden gestampft wurde. Alte, gewachsene Stadtviertel wurden damals einfach platt gemacht. Außerhalb des offiziellen Programms nutze ich jede Minute für eigene Erkundungen und entdecke dabei hinter den neuen Magistralen alte Viertel, in denen sich auf Straßen und in Höfen traditionelles Leben abspielt. Am letzten Tag soll 13 Uhr mein Transfer zum Flughafen gehen. Ich lasse mir an der Rezeption den etwas verworrenen Weg zur Metro erklären, die zum Tian’anmen-Platz und zur Verbotenen Stadt führt, stehe 6 Uhr auf und kurz nach 7 Uhr als eine der ersten an den vielleicht 30 Kassen, um ein Ticket für das Areal zu lösen. Bald ist die Schlange hinter mir länger. Chinesinnen und Chinesen sprechen, so meine Erfahrung, kaum Fremdsprachen, ich kein Mandarin. Es bleibt beim Lächeln hin und her und als die Sonne höher steigt, hält eine Familie freundlich ihren Schirm über mich. Den geforderten Reisepass habe ich zum Glück dabei und mit dem Ticket in der Hand betrete ich durch das Fünf-Phönix-Tor die Verbotene Stadt, seit 1987 Teil des zum Weltkulturerbes der UNESCO. Das hat schon was, ganz ehrlich. Wo sich später am Tag Menschtrauben bilden, kann ich so früh am Morgen ungestört meine Kreise ziehen.

Auf dem 720.000 m² großen Areal, umgeben von einer 10 Meter hohen, 3.428 Meter langen Mauer samt Wassergraben sollen sich 890 Paläste mit unzähligen Pavillons auf weißen Marmorterrassen mit geschwungenen Pagodendächern befinden. Nicht alle sind geöffnet, aber (m)ein halber Tag erweist sich als gute Gelegenheit für einen starken Eindruck. Ich durchquere den äußeren und den inneren Hof, sehe in die Halle der höchsten Harmonie, den Thron im Palast der himmlischen Klarheit, die Halle der mittleren Harmonie und die Halle der Wahrung der Harmonie, lerne die Neun-Drachen-Mauer Gasse kennen und kann kaum glauben, dass laut Wikipedia der 1406 begonnene Bau der imposanten Anlage schon nach 14 Jahren, 1420, abgeschlossen war. Gibt es doch auch zahlreiche weitere Paläste, Pavillons und kleine Innenhöfe mit Bereichen für die Kaiserin, Konkubinen und den jeweils aktuellen Kaiser. Beim Tor der Göttlichen Militärischen Begabung, dem nördlichsten Tor des ganzen Kaiserpalastes, sagt mir der Blick auf die Uhr, dass es Zeit für den Ausgang wäre. Doch der befindet sich an einer ganz anderen Stelle als der Eingang. Also wieder zurück um mehrere Ecken, zum Abkürzen durch einen Park (2 Euro extra …) und nun im Schnellschritt vorbei an Menschen, die in aller Ruhe mit morgendlichen Tai-Chi-Übungen ihren Tag beginnen. Die Metro bringt mich zurück ins Hotel. Ich fasse mein reisefertiges Gepäck und stehe punkt 13 Uhr am Taxi. Die Rückreise? Total entspannt.