Nicht immer erlebt man beim Testen von Restaurants nur „Sternstunden“. Ein echtes kulinarisches Erlebnis ergab sich im vergangenen Herbst in Dresden – aber weder in der Altstadt, wo die Touristen im Getümmel um die Frauenkirche auf der Suche nach den besten Plätzen sind, und schon gar nicht zwischen den Szenelokalen der Neustadt. Ich bin an allem und allen vorbei gen Stadtrand gefahren, genau an den Ullersdorfer Platz am Bühlauer Heiderand. Und genau so heißt das Lokal, ein Familienbetrieb, den Martin Walther nunmehr seit 2020 in der vierten Generation führt.
Sein Küchenstil setzt auf klassisches Kochhandwerk und regionale Zutaten. Bevor er hier übernahm, sammelte Walther in ausgezeichneten Restaurants deutschlandweit Erfahrungen, die ihn denn doch zu seinen Wurzeln zurückführten. Seine Menüs „Wasser & Weide“ sowie „Acker & Beet“ stehen mit drei bis fünf Gängen auf der Karte. Sie wechseln im Takt der Saison ebenso wie die À-la-carte-Speisen. Man hat die Wahl …



Was ich hier gegessen habe? Butterweich gebackenen Kürbis, begleitet von Büffelmozzarella und eingelegten Kumquat. Der Vorspeise schloss sich auf der Haut knusprig gebratener Saibling an, der durch Kohlrabi-Gurkensalat im extra Schälchen am Gaumen danneine erfrischende Note bekam. Das schokoladige Dessert setzte allem die Krone auf – optisch und erst recht geschmacklich: Kunstvoll gebaut und mit frischen Früchten aufgewertet.



So individuell und anspruchsvoll wie hier Speisen und Getränke ausgewählt, zubereitet und serviert werden, wirkt auch die Atmosphäre. Die beiden transparent getrennten Gasträume der 1905 gebauten Villa wirken schlicht, doch sattes Grau, warmes Holz und weiße Akzente sorgen für eine stimmige Gesamtinszenierung.
Das Fazit fällt entsprechend positiv aus: Das Restaurant ist ein Ruhepol abseits vom Mainstream der Altstadt. Den Stern vom Guide Michelin 2026 und meine positive Bewertung im Magazin Der Feinschmecker ist es wert.
