Iran: Sagenhaftes Persien

Sehe ich heute Bilder und Nachrichten aus und über den Iran, blutet das Herz. Die Geschichte und die Kultur Persiens, seine Landschaften, Städte, Dörfer und vor allem die Menschen stehen mir besonders nahe. Doch von vorn.

Als ich mit der 9. Klasse auf die Erweiterte Oberschule wechselte, um dort wie zu DDR-Zeiten üblich noch vier Jahre bis zum Abitur zu lernen, begrüßte der Schuldirektor der Humboldt-EOS in Leipzig am ersten Tag beim morgendlichen Fahnenapell „ganz besonders herzlich“ auch einen Schüler aus dem (damaligen) Kaiserreich Iran. „Na hier ist ja was los!“, war mein erster Gedanke! Anuschah und ich waren bald befreundet und wir sind es bis heute. Der Traum einer gemeinsamen Reise in den Iran erfüllte sich allerdings erst 2014. Als es nach dem Fall der Mauer in Berlin 1990 endlich möglich war, galt es wiederholt, Wahlen dort abzuwarten, und dass der gemeinsame Freundeskreis einen Termin findet. Im April flogen wir los. Kurz vor der Landung in Shiraz legten sich alle Frauen an Bord Tücher oder Schals um den Kopf – diesen Kompromiss gingen wir ein.

Was für ein Erlebnis war es dann, frühmorgens das erste Mal in jenem Land aufzuwachen, um das sich Mythen und Legenden ranken, und dass sich politisch gesehen jeweils kurz vor oder hinter dem Abgrund befindet. Trotz alledem: Vor uns lagen zwei wunderbare Wochen! Wir hatten uns für die klassische Route von Shiraz über Yasd, Isfahan und Hamadan nach Teheran entschieden, einen Bus samt Fahrer gemietet und dieser hatte noch seinen Bruder mitgebracht.

Wie ihr wisst – mein Blog ist kein Reiseführer, es gibt davon genug, wo alles Wissenswerte drinsteht. Eine Erfahrung möchte ich an dieser Stelle trotzdem teilen: Die Freundlichkeit der Menschen – und das ist keine Floskel! Egal, wohin wir kamen, überall versuchten sie, mit uns ins Gespräch zu kommen. Familien fragten höflich an, ob ihre Kinder uns auf Englisch Fragen stellen dürfen, ob wir bereit für ein gemeinsames Foto wären, ob sie uns etwas erklären sollten, wie es bei uns Zuhause sei …  

Ich will hier nichts schönreden, die Probleme des Landes, dessen Regierung Menschenrechte intolerabel missachtet, sind riesengroß. Aber von allen meinen bisherigen Reisen haben sich die Erlebnisse im Iran am stärksten eingebrannt.