Wer in Zossen eincheckt, ist schnell in Berlin – und doch in Brandenburg. „Berlin ist ein großer Markt“, sagt Hotelier Daniel Reuner. Das Haus und sein „Hotelrestaurant 1A“ hält mit Qualität dagegen.



Daniel Reuner lernte das Handwerk klassisch von der Pike auf: 1998 begann er die Kochlehre im Märkischen Tagungshotel, danach folgten Stationen quer durch Deutschland – vom Swiss Hotel Berlin über den Ahlbecker Hof auf Usedom bis Hildesheim. 2004 kehrte er nach Zossen zurück. Im Gespräch mit dem Hotelier wird schnell klar: Die Küche ist sein fachlicher Anker. „Produkte aus der Region“ – das ist hier kein Marketingsatz, sondern eine betriebliche Leitlinie, die man auf Feldern hinter dem Haus sehen kann. Dort liegt seit 1900 eine Gärtnerei, die Reuners Familie für den Eigenanbau nutzt. Die verschiedenen Gemüsesorten wachsen, wie es die Saison erlaubt, zum Beispiel Grün- und Rosenkohl, Paprika, Physalis, Rote Bete, Sellerie alle in Pikierschalen vorgezogen.



Damit nicht genug. Auf Weiden hinter dem Haus lebt eine eigene Wildlammzucht, das „Zossener Wildschaf“, keine klassischen Wollschafe wie Reuner erklärt, sondern große Tiere mit kurzem Fell. Je nach Jahreszeit sind es 40 bis 50 Tiere, im Sommer gar 80 bis 90. An der frischen Luft suhlen sich bei meinem Besuch im Februar 2026 vier Wollschweine im Schlamm. Bald sollen Ferkel kommen. Auslauf haben auch Hühner, Bienen liefern den Honig. Für die Landwirtschaft sind zwei Arbeitskräfte und Aushilfen bei Bedarf im Einsatz. Was fehlt liefern meist Bauern und Fischer vom Naturschutzgebiet Prierowsee. Sein Vater hat eine eigene Jagd, so dass auch Wildfleisch und Würste echt hausgemacht sind, dazu mundet den Gästen selbstgebackenes Natursauerbrot.



Nebenbei futtern die Tiere die Küchenabfälle weg. Ein Kreislauf ohnegleichen, bei dem die Küche laut Reuner im Sommer zu fast 80 die Küche Prozent, im Winter etwa 50 bis 60 Prozent Produkte aus der Region verarbeitet. Regionalität wird so zur Prozessentscheidung: kurze Wege, verlässliche Qualität, weniger Abhängigkeit. Reuners Engagement in und für die Region ist nicht unbemerkt geblieben: Im Jahr 2005 bekam er den Unternehmerpreis der Stadt Zossen und seit 2025 führt das Haus die offizielle GreenSign-Hotelübersicht für Deutschland an – mit einer Gesamtbewertung von 95 % unter rund 1000 Hotels.


Bei allen Erfolgen und Verlockungen der Branche soll das Flair Hotel Reuner ein Familienbetrieb bleiben: Ehefrau Silke führt die Buchhaltung. Den Alltag bestimmen zudem ihre drei Kinder: Ob beim Einkauf im Großmarkt oder dem Workshop beim Fischer – oft sind die Kinder dabei. Und so bringt er das Hotel, mehrere Ehrenämter und die Familie unter einen Hut: „Man arbeitet zwar sieben Tage voll, aber das passt dann alles so.“
